Back To The Roots – Zurück zu den Wurzeln

 

Nun, da eröffnet sich einem schon die erste Frage! Was sind unsere Wurzeln? Viele Menschen denken, dass unsere Wurzeln bei unseren Eltern und in unserer Heimat, unserer Geburtsstätte, liegen. Das mag richtig sein, beschreibt jedoch nur einen kleinen Teil der eventuellen Wahrheit. Unsere Eltern geben uns – sofern vorhanden und willig – einen gewissen Pool an Sicherheit und Stabilität. Wir können immer wieder zu ihnen zurückkehren und uns dort geborgen fühlen. Je älter wir werden und in unser eigenes Leben treten, desto mehr spüren wir, dass unsere Eltern uns nur einen kleinen Teil der wirklichen Sicherheit geben können. Verlässt man als junger Erwachsener das Elternhaus, so gibt man bewusst einen Teil seiner Wurzeln auf, um seinen Baum des Lebens woanders zu pflanzen. Nun muss der Mensch sein eigenes Leben aufbauen und leben. Er versucht sich, eine neue Sicherheit aufzubauen. Die geschieht gerne in Form von Arbeit, Familie, Umfeld, usw. Doch auch diese Sicherheit ist im Grunde genommen nicht „sicher“. Man versucht zwar, sich im Leben zu verwurzeln, doch oft nur über das Äußere. Die wahre Sicherheit kommt immer von Innen. Alles Äußere kann weggehen, sterben und man verliert es. Sind die inneren Wurzeln nicht gelegt, so bricht daraufhin manchmal eine ganze Welt zusammen.

 

Das ist jedoch gut so. Denn wenn das Kartenhaus des Lebens zusammenfällt, so weiß man genau, dass dort noch keine Stabilität vorhanden und keine Wurzeln entstanden sind.

 

Zurück zu den Wurzeln bedeutet vielleicht, im Wesenskern des Lebens verankert zu sein. Doch wo ist dieser Acker des Lebens, wo ich meine Wurzeln wachsen und gedeihen lassen soll? Viele esoterisch und spirituell denkende Menschen sagen, dass dieser Acker das Göttliche oder Universelle ist. Dort sollen unsere eigentlichen Wurzeln liegen und dort könnten wir uns verankern. 

 

Nicht leicht zu finden 😊

 

So müssten wir vielleicht auf der Erde anfangen, unsere Wurzeln zu bearbeiten. In der Welt des Menschseins wäre es unter anderem das Zusammenleben zwischen Mensch, Natur und Mitmenschen. Wir kommen aus der ständig fließenden und sich bewegenden Natur, doch wie gehen wir damit um??? Wir leben auf dieser Erde auf der wir stehen und wo wir einen Halt finden. Doch wo ist das gutgemeinte Motto „Back To The Roots“ geblieben? In der modernen Yogapraxis wird viel von „Erden“ gesprochen. Auf dem Boden sitzen und sich mit dem Sitzbeinhöckern erden, im Liegen Verbindung mit der Erde aufnehmen und im Stand die Füße verankern……………….das ist gut, doch es müsste dann auch in das Leben integriert werden. Zu den Wurzeln zurückkehren bedeutet, im Leben stehen und sich in allem verwurzeln, nicht nur auf der Yogamatte oder dem Meditationskissen.

 

In der Yoga-Philosophie stellen die Füße unsre Wurzeln dar. Wir verbinden uns mit den Füßen auf der Erde. Zudem sind Füße und Beine mit dem Wurzelchakra, Muladhara, verbunden. Durch die Standübungen bekommen wir sozusagen eine körperliche und energetische Verwurzelung. Doch auch hier findet man öfters eine Tendenz zur Flucht vor seinen Wurzeln. Wer die Wurzeln lange und tief wachsen lassen will, muss Geduld und Mühe auf sich nehmen. Ständig Arbeit ist gefragt. Die Wurzeln wollen umsorgt und gepflegt werden. Um zu wissen wo die inneren Wurzeln sein könnten, sollte man mehr nach innen gehen und von äußeren Getue Abstand nehmen. So könnte man sich in der Yogapraxis mehr um das „innere Outfit“ kümmern, statt sich sorgenvoll der Frage widmen „was für eine Yogamatte wäre gut für mich?“. Die Wurzel der Yogapraxis wäre vielleicht in einer Decke, einer schlabberigen Jogginghose und der Zeit, der sich dem inneren widmet, zu suchen.

 

Manchmal erkennt man die Stärke und Größe der Wurzel erst dann, wenn einem vielerlei genommen wird. Steht man blank in Gottes Angesicht, so offenbart sich die Festigkeit und das Vertrauen bzw. Ängste und Instabilität auf der anderen Seite. Wir wollen zurück zu unseren Wurzeln, nach Hause, doch wieviel ist man bereit dafür zu geben. Vielleicht nähren sich die Wurzeln ja auch aus den losgelassenen weltlichen Abhängigkeiten. Lässt man im Äußeren los, so haben die Wurzeln mehr Zeit und Energie, um sich einbuddeln zu können.

Die Wurzeln liegen wohl bereits in uns. Doch je mehr wir am und im Leben festhalten, desto mehr ziehen wir die Wurzeln wieder aus der universellen Energie heraus. Hingabe, so habe ich es gelernt, ist der Schlüssel. 

 

„Die göttliche Energie gibt einem das, was man sich wünscht und worum man bittet. Wünscht man jedoch nichts und gibt sich der kosmischen Energie hin, so erhält man alles.“

 

Je mehr man loslässt, desto mehr bekommt man. Je mehr man loslässt, desto mehr verwurzelt man sich im Göttlichen.